Neuer Verein „Stille Hilfe im Landkreis Regen“ gegründet – 20 Personen wurden spontan Mitglied
Im Rahmen einer gut besuchten Gründungsversammlung wurde am Samstag der gemeinnützige Verein „Stille Hilfe im Landkreis Regen“ ins Leben gerufen. Landrat Ronny Raith konnte dazu insgesamt 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßen, darunter besonders Karolin Fuchs, die Initiatorin des Vereins. Ein besonderer Gruß galt zudem Landrat Peter Dreier mit seiner Ehefrau Petra Dreier aus Landshut.
In seinen einleitenden Worten zeigte sich Ronny Raith begeistert von der Initiative als Schließung einer oft bedauerlichen Lücke im Versorgungssystem des gesamten Landkreises. Der neue Verein leiste Hilfe dort, wo sie dringend gebraucht werde, jedoch häufig ohne das Licht der Öffentlichkeit. Die Unterstützung richte sich ausschließlich an Menschen aus dem Landkreis beziehungsweise aus der Region um Regen.
Karolin Fuchs schildert Motivation
Karolin Fuchs war sehr erfreut über den großen Zuspruch bei der Gründungsversammlung. In ihren Ausführungen erläuterte sie die Beweggründe für die Vereinsgründung. Man lese immer wieder von schweren Schicksalsschlägen in der Region, die sie persönlich sehr berührt hätten. Besonders bewegend sei ein Verkehrsunfall im vergangenen Jahr in Prünst bei Patersdorf gewesen, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen und ein achtjähriges Mädchen zurückblieb. Daneben gebe es viele weitere Schicksale, „die man kaum in Worte fassen kann“.
Im Zuge ihrer Überlegungen sei sie auf Petra und Peter Dreier, die Vorsitzenden des Vereins „Stille Hilfe“ in Landshut, aufmerksam geworden, der sich rein aus Spenden finanziert. Wichtig sei ihr zu betonen, dass der neue Verein keine Konkurrenz zu bestehenden Organisationen darstelle. Leider werde es auch künftig Schicksalsschläge geben, bei denen schnelle und unbürokratische Hilfe notwendig sei. Was für sie auch besonders heraussticht, ist die „stille“ und möglichst einfache, schnelle Hilfe. „Man braucht kein großes Rampenlicht, um zu helfen, und auch die Bedürftigen wollen das oft nicht“, so Fuchs.
In einem Vortrag berichteten Petra und Peter Dreier, wie der Verein in Landshut aus einer Gruppe von sieben Personen entstanden sei, die nach einem Schicksalsschlag helfen wollten. Anfangs habe man vor allem mit der Findung eines Vorstandes zu kämpfen gehabt. Mit einem Startkapital von lediglich 1200 Euro habe alles begonnen – heute sei die Spendenbereitschaft überwältigend. So hätten sie beispielsweise Benefizveranstaltungen wie ein Eishockeyspiel der LA Ice Breakers Spenden in Höhe von mehreren zehntausend Euro eingebracht. Auch zahlreiche Firmen, Vereine und Privatpersonen gehören zu den Unterstützern.
„Stille Hilfe“ bedeute anonym, schnell und unbürokratisch, erklärten die Referenten. Es werde niemals öffentlich gemacht, wer Unterstützung erhalte oder in welcher Form. Die Hilfe erfolge überwiegend über Sachspenden, Gutscheine oder die Übernahme von Rechnungen, bewusst werde nur wenig Bargeld ausgezahlt. Sämtliche Spenden und Mitgliedsbeiträge würden zu 100 Prozent weitergegeben, begleitet von einer sauberen Buchführung und transparenten Abrechnung, auch im Hinblick auf die Gemeinnützigkeit gegenüber dem Finanzamt.
Zustimmung und formale Gründung
Positiv wurde von Spendern wahrgenommen, dass das Geld in der Region verbleibt. Hinweise auf Bedürftige kämen unter anderem von Sozialpädagogen, Frauenhäusern, Hilfsorganisationen oder auch durch direkte Kontaktaufnahme der Betroffenen selbst. In jedem Fall werde die Berechtigung sorgfältig geprüft. Für die Verantwortlichen sei es eine große Genugtuung, zumindest materiell helfen zu können – die wahre Last kann man den Beteiligten ohnehin nicht nehmen.
Landrat Ronny Raith zeigte sich tief beeindruckt von den Ausführungen, die er auch mit christlichen Grundsätzen vereinbar sieht – nach dem Motto: „Tu Gutes und sprich nicht darüber“. Der neue Verein solle den Namen „Stille Hilfe im Landkreis Regen e.V.“ tragen und ins Vereinsregister eingetragen werden. Von den anwesenden 21 Personen erklärten 20 spontan ihren Beitritt und unterzeichneten den Aufnahmeantrag. Raith sprach von einem „guten Moment für die Menschen im gesamten Landkreis“ und dankte dem Ehepaar Dreier ausdrücklich.
Anschließend erfolgte die formale Vereinsgründung. Zum Versammlungsleiter wurde Landrat Raith bestimmt. Die vorbereitete Satzung mit den Punkten Gemeinnützigkeit, Vereinsorgane, Zweck, Sitz des Vereins (beim Landratsamt Regen), Mitgliedschaft und Amtszeiten wurde vorgestellt und von den Gründungsmitgliedern einstimmig genehmigt. Mitglied können ab sofort natürliche Personen, Vereine und Firmen werden.
Bei den Neuwahlen wurden Karolin Fuchs aus Patersdorf zur 1. Vorsitzenden, Lisa Sporrer aus Untermitterdorf zur 2. Vorsitzenden, Gisela Hies aus Patersdorf zur Schatzmeisterin sowie Herbert Fuchs aus Patersdorf zum Schriftführer gewählt. Weitere Ausschussmitglieder sind Christine Feuerecker (Regen), Hedwig Edenhofer-Lang (Zachenberg), Pfarrer Tobias Magerl (Teisnach), Sonja Raith (Kirchberg), Edwin Scheidlbaumer (Viechtach) und Christine Prechtl (Kirchberg). Zu Kassenprüfern wurden Franz Lobmeier (Viechtach) und Stefan Aulinger (Untermitterdorf) gewählt. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt 20 Euro – welcher als Spende weitergegeben wird.
Zum Abschluss erklärte Landrat Ronny Raith, die Schirmherrschaft für den Verein zu übernehmen, da er aus voller Überzeugung hinter dem Anliegen stehe. In den kommenden Wochen werden die Verantwortlichen gemeinsam eine Struktur erarbeiten und Infomaterial erstellen. Außerdem soll der Verein bekannt gemacht und in den sozialen Medien verankert werden. Interessierte sind jederzeit eingeladen, sich zu informieren, Kontakt aufzunehmen und dem Verein beizutreten.

Foto: Stefan Ernst